Reiner Sinus oder modifizierter Sinus
Eine normale 230V Steckdose unterwegs macht vieles einfach. Um dies umzusetzen müssen nun aus unseren 12V Bordnetz eine Umwandlung vornehmen. Dies machen wir mit einem Inverter. Dieser wandelt den Gleichstrom zu Wechselstrom und erhöht somit die Spannung. Oft liest man von reinem Sinus und vereinfachten/modifzierten Sinus. Was bedeutet das?
Wir haben in unserem normalen Stromnetz eine Wechselfrequenz von 50Hz. Das heißt die Spannung und damit der Strom, wechseln 50 mal in der Sekunde die Richtung. Das passiert in einer schönen Sinuskurve. Hier ist auch schon der springende Punkt: Reine Sinus Inverter bauen diese Kurve 1:1 nach und unterscheiden sich davon nicht vom normalen Landstrom - modifizierte Sinus Inverter haben keine Kurve, sondern wechseln die Spannung in einer Treppenform. Das ist von der Schaltung wesentlich einfacher und damit sind diese Geräte billiger.
Welche Geräte sollten unbedingt einen reinen Sinus Inverter bekommen?
Das wären zum Beispiel: Kaffeepad-Maschinen (wie z.B. Philips Senseo), Fernseher, Ladegeräte, Audioverstärker Sensible Geräte wie Ladegeräte könnten mit einem modifizierten Sinus Inverter beschädigt werden. Jedoch scheiden sich hier die Geister - viele berichten von jahrelangen Einsätzen ohne Defekte.
Welche Leistung?
Hier ist es natürlich erstmal wichtig zu wissen welche Geräte betrieben werden sollen. Möchte man nur sein Laptop, Kamera etc. laden, reichen Inverter mit kleinen Leistungen. Gehen wir jetzt zum Beispiel von einem 250W Inverter aus, kann man leicht einen Laptop und noch zwei andere kleine Geräte laden oder betreiben.
Sind jedoch große Verbraucher wie Kaffeemaschine Wasserkocher oder ähnliches geplant muss die Leistung des Inverters schon sehr hoch sein.
Hier mal eine Beispiel Rechnung für ein Fahrzeug mit Induktionskochfeld und 200Ah LiFePO4 Batterie.
1. Benötigter Inverter:
Unser Kochfeld hat 2000W Leistung -> Demnach brauch wir einen Inverter mit mindesten 2000W Dauerleistung. Die Peakleistung die für einen kurzen Moment abgerufen werden kann liegt dann meistens bei 3000-4000W.
2. Kabelquerschnitt zum Inverter:
Die Abgerufenen 2000W müssen wir aus 12.8V Spannung generieren. Das heißt, wir haben einen Strom von (2000/12.8) ca. 160A. Mit etwas Sicherheit legen wir das Kabel mit 200A ab und verwenden ein 35mm² Kabel. Um unsere Batterie mit dem Inverter zu verbinden. Nicht vergessen das ganze direkt nach der Batterie abzusichern! Hier würden wir auch eine 200A Sicherung verwenden.
3. Wie lange kann ich kochen?
Wir haben ausgerechnet das wir ca.160A für den Betrieb der Kochplatte benötigen. Unsere vollgeladene Batterie mit 200Ah könnte wir demnach für ca. 1h betreiben. (200Ah/160A = 1.25h) Hierbei gehen wir davon aus das wir die Batterie nur zu 80% entladen wollen um eine längere Zyklen Festigkeit zu haben. Nehmen wir nun an das wir nur ca. 20min kochen wollen. Ist Induktion mittlerweile wirklich wieder eine Alternative.
(Im Kapitel Ladebooster und Solar findet ihr die Rechnungen zum Thema Ladedauer.)
Netzvorrangschaltung
Eine Netzvorrangschaltung dient der Umstellung auf Landstrom sobald dieser anliegt. Damit wird die 230V Anlage vom Inverter getrennt und die Energie wird nicht mehr aus der Batterie entzogen. Gleichzeitig kann ein Ladegerät zugeschalten werden um die Batterie zu laden.
Machen wir nochmal eine Beispiel-Rechnung: nehmen wir an, dass wir Solarmodule mit einer Leistung von 200W montiert haben - das wäre eine Fläche von ca. 1qm. Um zu berechnen wieviel Energie man nun an einem Tag in die Batterie laden kann, helfen Solarenergie-Ertragsrechner. Dort kann man mit Hilfe der Koordinaten den Durchschnittlichen Ertrag übers Jahr berechnen (nicht vergessen die Neigung 0° einzugeben). Bei einer Anlage von 200W sollte man somit in den Sommermonaten auf ca. 22-25kWh kommen. Das Entspricht einer Tagesausbeute von ca. 750Wh oder etwa 60Ah. Dies ist allerdings der Idealfall. Hinzu kommen nicht eingerechnete Schatten, Verluste bei der Laderegelung und Verschmutzung der Solarmodule. Ein realistischer Ertrag ist sind wohl eher 400-500Wh.
Wofür reicht der Strom den wir im Sommer generieren?
Grob gesagt reicht der errechnete Strom um eine Kompressor Kühlbox für ca. 15h zu betreiben. Ein längeres autarkes Stehen ist somit nur in Verbindung einer großen Batterie möglich. Denn durch weitere Verbraucher wie Licht oder Handy und Laptops laden, wird die Batterie immer weiter entladen. Die Kühlbox wird zwar oft in der Nacht abgestellt, jedoch reichen 200W in der Regel nicht aus, um ein Plus in der Batterie zu generieren. Durch zB. einen entsprechenden Ladebooster (dazu unten mehr), kann jedoch durch die Lichtmaschine der fehlende Strom schnell nachgeladen werden.
Verkabelung und Laderegler
Fangen wir mit den Ladereglern an. Am Markt durchgesetzt haben sich MPPT (Maximum Power Point Tracking) diese haben einen hören Wirkungsgrad als die veraltete PWM Technologie.
Worauf muss ich bei einem MPPT Laderegler achten?
Die Laderegler haben immer zwei wichtige Kenngrößen: Die PV (Photovoltaik Spannung) und den maximalen Ladestrom. Am Beispiel vom Victron Smart Solar 75/15 bedeutet dies: die Spannung der Solaranlage darf maximal 75V sein und der Regler schafft dann maximal 15A Ladestrom. Dieser Regler kann also für 220W Solaranlagen verwendet werden. 15a (14,4V*15A).
Wie muss ich die Solarpanele dazu auslegen?
Bei den Solarpanelen hat man verschiedenste Abmessungen und Schaltungen. Das wichtigste ist hierbei die PV (oder Leerlaufspannung) und der Nennstrom. Legen wir nun ein Solarsystem für den oben genannten Solarregler aus, können wir Solarmodule mit einer maximalen Spannung von 75V nutzen. Diese Spannung scheint jetzt sehr hoch, jedoch könnte man hierfür nun drei Solarmodule mit 100W und einer Leerlaufspannung von 20V in Reihe schalten und hätte eine Leerlauf-Spannung von 60V.
Aber wir können doch nur maximal 220W mit dem Solarregler (75/15) erreichen, warum also 300W Solar aufs Dach?
Die 300W erreichen die Solarpanele in der Peak Leistung , also bei optimaler Ausrichtung und strahlend blauem Himmel. Da wir die Module aber Flach und nicht mit Neigung auf den Fahrzeugen verbauen, werden erfahrungsgemäß nur 50% der Peak Leistung erreicht - hier also 150W. Somit ist es sinnvoll die Solaranlage schon etwas über den Solarregler zu dimensionieren.
Wie schalte ich die Solarmodule am sinnvollsten?
Der Vorteil bei der Reihenschaltung der Solarpanele sind die geringen Ströme. Denn die Spannung wird addiert, jedoch bleibt der Strom gleich. Somit können dünnere und leichtere Kabel verwendet werden. Es gibt aber auch andere Regler, die nicht so viel Spannung vertragen. Oder Kombigeräte, die Ladebooster und Solarregler in einem sind, wie zum Beispiel der Renogy DCC50s. Dieser darf nur mit einer maximalen PV Spannung von 25V betrieben werden. Hier müssten die Solarmodule parallel geschalten werden. Somit bleibt die Spannung gleich und die Ströme addieren sich.
Egal ob Parallel- oder Reihenschaltung, die Solaranlage muss mit entsprechenden Kabeln angeschlossen werden die Sicherung darf auf keinen Fall vergessen werden!